Aus Fehlern lernen
Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal selber Farbfilm entwickelt, und es ist tatsächlich garnicht so viel komplizierter als schwarz-weiß. Die einzige zusätzliche Herausforderung ist, eine relativ hohe Temperatur möglichst gleichmäßig zu halten. Aber irgendwie hat mich das so aus dem Konzept gebracht, dass ich bei einer der ersten Entwicklungen etwas gemacht habe, was mich bis jetzt zum Kopfschütteln bringt.
Ich habe den Film im Jobotank vorgewässert, das Wasser ausgegossen, und dann den Jobotank aufgemacht, um den Entwickler einzufüllen. Und ich meine richtig aufgemacht! Nachdem ich 3 Sekunden auf die Spulen mit den Filmen gestarrt habe, und mich gefragt habe, warum sich das so falsch anfühlt, hab ich schnell wieder zugemacht.

(Für alle, die noch nie selber entwickelt haben: Im Jobotank sind die Filme auf Spulen völlig lichtdicht abgeschirmt, und man kann oben die Chemikalien ein- und ausgießen, ohne dass Licht daran kommt. Eingelegt werden die Filme in absoluter Dunkelheit. Geöffnet wird das ganze erst wieder, wenn der Film entwickelt und fixiert ist, also nicht mehr lichtempfindlich. Was ich gemacht habe, war eine Fehlbelichtung eines gewässerten aber noch völlig lichtempfindlichen Films…)
Ich war ziemlich sicher, dass die Filme damit völlig überbelichtet waren. Entwickelt habe ich sie trotzdem – es war ja schon alles vorbereitet, die Chemie war warm, und überhaupt: man weiß ja nie… Und tatsächlich hatte das Licht nicht alles zerstört. Vom oberen Film war nicht viel übrig, aber der untere war interessant.

Tatsächlich konnte ich zwei sehr wertvolle Dinge aus dieser Entwicklung lernen:
1. Das Entfernungsschätzen mit der Makro-Penti funktioniert nicht verlässlich.
2. Die Wassertropfen und Lichtspuren sind super spannend!
Doppelseiten im Halbformat
Was ich bei den Penti-Bildern immer schon spannend fand, sind die „natürlichen“ Doppelseiten. Zwei Halbformate nebeneinander haben immer so einen Charakter, als würden sie zusammengehören, weil sie ja genau Kleinbildformat haben. Und mit den Tropfen als verbindendem Element war die Wirkung sogar noch stärker.

Dieses Bild hat mich inspiriert, diesen Fehler nochmal gezielt zu wiederholen. Die Tropfen auf den Blüten lassen mich an Frühlingsregen denken. Und die zwei Blumenbilder, die im Dialog zu stehen scheinen, sind der ideale Hintergrund dafür.
Nochmal mit Gefühl
Also habe ich einen kompletten Film mit Blütendoppelseiten vollfotografiert. Sehr viel mit Magnolienblüten, weil ich mir vorgestellt habe, wie gut die rosa schimmernden Tropfen dazu passen werden. Und immer mit der Doppelseite im Hinterkopf – also ähnliche Motive nacheinander, die aber in sich unterschiedlich genug sind, um Spannung zu erzeugen.
Als der Film voll und aufgespult war, kam der große Moment: Ich habe in der Dunkelkammer den Film gewässert, diesmal in absoluter Dunkelheit die Dose geöffnet, und dann mit der an die Belichtungsuhr angeschlossenen Lampe genau eine Sekunde direkt von oben in den Tank geleuchtet.
Dann habe ich normal entwickelt. Währenddessen hab ich mich gefragt, ob des Licht gereicht hatte, ob die Tropfen schön genug waren, ob ich ertwas hätte anders machen sollen… und dann plötzlich siedendheiß: liegt der Film richtigrum im der Spule? Also so, dass das Licht vom Motiv aus gesehen von oben kommt, und die Tropfen „richtig“ aussehen? Keine Ahnung! Da hatte ich beim Einspulen überhaupt nicht darüber nachgedacht.
20 Minuten später die Erleichterung: wunderschöne Effekte, eine traumhafte Belichtung, die sowohl den Tropfen gerecht wurde, als auch das Motiv am Leben ließ, und aus purerm Glück auch noch alles richtigrum!

Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht das letzte Mal war, dass ich das Licht ein bisschen ungezähmter bei der Bildentwicklung mitspielen lasse.
Hast du auch schon mal aus einem Fehler eine Technik entwickelt? Wenn ja, dann lass es uns unbedingt in den Kommentaren wissen!

Pingback: Makros mit der Penti (Halbformat) – lichtgezeichnet.de