Ich habe Anfang März einen Open Call gesehen, bei dem Kunstwerke für eine Ausstellung zum Thema Frieden und nukleare Abrüstung gesucht wurden. Ich hadere ja seit Langem damit, dass ich einfach so meine Experimente mache, während die Welt an allen Enden brennt… und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich miene Kunst auch nutzen will, um eine positive Botschaft in die Welt zu bringen.
Da klang die Einladung zu „Promemoria (la guerre – une chose a ne jamais faire)“ einfach zu passend, um nicht teilzunehmen. Ich habe mich lange und intensiv damit beschäftigt, wie ich dieses schwere Thema mit meinem Mitteln stimmig umsetzen kann, und wie ich den Betrachter mit ins Boot hole.
Die Idee, die ich dann entwickelt habe, ist eine Cyanotypie, die die Erde repräsentiert. Sie wird ausgestellt in einem tiefen Rahmen mit einem ominösen roten Knopf – der sprichwörtliche Knopf, der den Atomkrieg auslöst. Jede:r Besucher:in hat die Möglichkeit diesen Knopf zu drücken, und damit das Kunstwerk zu zerstören. Eine greifbare Umsetzung der absurden Logik, dass ein einfacher Befehl ganze Städte auslöschen kann. Und gleichzeitig eine Einladung, sich selbst zu hinterfragen. Denn letztendlich sehen sich die Betrachter vor dem Werk mit der Entscheidung, ob sie die Macht, die ihnen gegeben wurde nutzen wollen – und dafür die Zerstörung in Kauf nehmen.

Mit dieser Visualisierung der Idee habe ich mich beworben. Das Mittel der Zerstörung war schon lange klar: Sodalösung. Denn die löst das wunderbare Blau der Cyanotypie innerhalb von Minuten auf. Aber der Mechanismus war eine Herausforderung. Alles was ich vor der Deadline ausprobiert habe, ist gescheitert. Deswegen habe ich erstmal nur das Konzept eingereicht, zusammen mit einem Video einer „Testzerstörung“, bei der ich die Lösung von Hand über das Testwerk gegossen habe.
Auch nachdem die Arbeit angenommen wurde und ich sie nun tatsächlich umsetzen musste, haben sich noch viel mehr Ideen, die eigentlich genial klangen als untauglich herausgestellt. So viele Materialien und Verklebungen sind nicht sodabeständig. Manches geht viel zu leicht kaputt, anderes ist zu stabil, um sich gezielt zerstören zu lassen…
Tatsächlich war ich erst 3 Tage vor Abreise in die Schweiz endgültig sicher, dass eine funktionierende Mechanik an der Wand hängen würde – allerdings eine von der ich immer noch hoffe, das sie nicht eingesetzt wird.
Vieles an dem Projekt hat die Metapher noch weiter gesponnen, als ich mir vorher vorstellen konnte: Die unglaubliche Anstrengung, die es kostet, gezielte Zerstörung herbeizuführen, und der absurde Stolz, wenn es klappt – ob wohl die Wissenschaftler, die an der Atombombe gearbeitet haben, sich ähnlich gefühlt haben? Die worst case Szenarien: was wenn es auslöst, ohne dass jemand den Knopf drückt? Wenn trotz Knopfdruck nichts ausgelöst wird? All das sind spannende Fragen, wenn man sie auf nukleare Arsenale überträgt.
Der erfolgreiche Test des endgültigen „soda-delivery-system“ – Erklärvideo vom Aufbautag – Das Bild hängt in Genf!


